Kiefergelenk in 3D

Anatomisches Lehrmodell mit Unterkiefer, bikonkavem Diskus, bilaminärer Zone und M. pterygoideus lateralis. Mit dem Finger drehen, mit zwei Fingern zoomen. Betroffene Seite ist jeweils rechts. Über die Auswahl lassen sich Protrusion, Laterotrusion und alle Varianten von Deviation und Deflexion durchgehen.

Modell wird geladen …
Knack
Ziehen zum Drehen
Öffnen
Ansicht
Ebenen
Knochen
Kausystem-relevante Knochen
Äußere Schädelknochen
Muskeln einzeln
Kaumuskeln
Suprahyoidale Muskeln
KnochenDiscus articularisStratum superiusStratum inferiusBilaminäre ZoneMuskel entspanntMuskel kontrahiertSehne / BandSchläfenbeinBahn des Inzisalpunkts

Mechanismus

Typischer Befund

Ähnliche Muster & Abgrenzung

Muskelaktivität im Modell

Muskeln sind als Muskelkörper mit Faserverlauf, Ursprung und Ansatz nach Prometheus (LernAtlas der Anatomie) modelliert. Kontrahierende Muskeln färben sich rot und verdicken sich leicht, Pfeile zeigen die Zugrichtung, sehnige Anteile sind hell.

Öffnen

Bis ca. 15° reine Rotation (Scharnierbewegung) in der unteren Gelenkkammer, eingeleitet von der suprahyoidalen Muskulatur (M. digastricus, M. mylohyoideus, M. geniohyoideus) bei fixiertem Zungenbein. Darüber hinaus Translation in der oberen Kammer: der M. pterygoideus lateralis zieht mit dem Caput inferius den Kondylus und mit dem Caput superius den Diskus nach vorn auf das Tuberculum articulare.

Schließen

M. masseter, M. temporalis und M. pterygoideus medialis. Die Pars posterior des M. temporalis zieht den Unterkiefer zurück (Retrusion); der Diskus wird dabei durch das elastische Stratum superius der bilaminären Zone zurückgeholt.

Protrusion und Laterotrusion

Protrusion: beidseitige Aktivität des M. pterygoideus lateralis, unterstützt von M. masseter (Pars superficialis) und M. pterygoideus medialis. Laterotrusion (Mahlbewegung): auf der Balanceseite ziehen M. pterygoideus lateralis und medialis den Kondylus nach anterior-medial; auf der Arbeitsseite dreht sich der Kondylus und wird von der Pars posterior des M. temporalis gehalten.

Zugrichtungen des M. pterygoideus lateralis

Caput superius: von der Crista infratemporalis der Ala major fast horizontal nach posterior-lateral zum Discus articularis und zur Kapsel. Caput inferius: von der Außenfläche der Lamina lateralis des Proc. pterygoideus schräg nach posterior-lateral-kranial zur Fovea pterygoidea am Proc. condylaris. Dargestellt ist die Lehrbuchfunktion; elektromyographische Studien zeigen für das Caput superius zusätzlich Aktivität beim Schließen und Pressen, wo es Diskus und Kondylus am Tuberculum stabilisiert.

Gelenkkapsel und Bänder

Die weite, schlaffe Kapsel reicht vom Rand der Fossa mandibularis und dem Tuberculum articulare bis zum Collum mandibulae und ist mit dem Diskus verwachsen. Lig. stylomandibulare und Lig. sphenomandibulare liegen außerhalb der Kapsel und begrenzen die Bewegung. Über die Ebene „Gelenkkapsel & Bänder“ einblendbar.

Lig. laterale (Lig. temporomandibulare)

Verstärkt die Kapsel lateral und besteht aus zwei Anteilen. Die äußere Pars obliqua zieht vom Tuberculum articulare schräg nach hinten unten zum Collum mandibulae; sie begrenzt die reine Rotation – spannt sie sich (etwa bei 20–25 mm Schneidekantendistanz), muss der Kondylus nach vorn translieren. Die innere Pars horizontalis verläuft fast waagrecht vom Tuberculum zum lateralen Kondylenpol und zum hinteren Diskusrand; sie begrenzt die Retrusion und schützt so die bilaminäre Zone.

Bilaminäre Zone

Stratum superius (gelb, elastische Fasern): vom posterioren Band zur Fissura petrotympanica; holt den Diskus beim Schließen zurück. Stratum inferius (weiß, straffe Kollagenfasern, kaum dehnbar): vom posterioren Band zum Hinterrand des Kondylus; verhindert, dass der Diskus zu weit nach vorn rotiert. Dazwischen lockeres, stark vaskularisiertes und innerviertes Bindegewebe (Genu vasculosum), das sich bei Mundöffnung mit Blut füllt und den frei werdenden Raum hinter dem Kondylus ausfüllt.

Knackphänomene – Einteilung

Acht Phänomene, davon drei nicht diskusbedingt: Lig.-laterale-Knacken, Diskus-/Knorpelhypertrophie und Kondylushypermobilität. Fünf sind diskusbedingt, mit zunehmendem Ausmaß der Verlagerung: Diskushypermobilität, partielle und totale Diskusverlagerung mit Reposition, Diskusverlagerung mit Adhäsion und Diskusverlagerung mit terminaler Reposition. Die dynamischen Tests (Kompression extensiv, Translation, Kompression intensiv) ordnen sie den Gruppen 1–4 zu; Schlüssel aus Zeitpunkt / Intensität / Mundöffnung: Gruppe 1 gleich / leiser / normal, Gruppe 2 später / lauter / eingeschränkt, Gruppe 3 gleich / lauter / normal, Gruppe 4 Knacken ganz am Ende. Voraussetzung für eine Diskusverlagerung ist die Schädigung mindestens einer diskusstabilisierenden Struktur (Stratum inferius, Konvexität der Pars posterior, Stratum superius).

Tipp: Bei eingeblendeter Beschriftung eine Bezeichnung antippen – die Struktur wird farbig hervorgehoben; erneutes Antippen hebt die Markierung auf.

Übersicht aller Varianten

VarianteBahnGeräusch

Lehrmodell; Muskelursprünge und -ansätze, Kapsel und Bänder nach Prometheus LernAtlas der Anatomie (Kopf, Hals und Neuroanatomie). Kondylus ca. 20 × 10 mm; bikonkaver Diskus mit posteriorem Band ca. 3 mm, Intermediärzone ca. 1 mm, anteriorem Band ca. 2 mm; Tuberculum articulare ca. 7 mm hoch. Bewegung: bis ca. 15° reine Rotation, danach Translation; Bennett-Winkel ca. 15°. Knochen nach BodyParts3D, © The Database Center for Life Science, lizenziert unter CC Attribution 4.0 International (angepasst: ausgerichtet, skaliert, geglättet, Kiefergelenkfläche an die Modellkinematik angepasst). Muskeln, Diskus, Kapsel und Bänder: eigene Modellierung nach Prometheus. Proportionen angenähert, kein Patientendatensatz.